Bildungskongress "Netzwerke für Globales Lernen"

Donnerstag, 31.10.02 bis
Samstag, 02.11.02

Hannover ZEB Stephansstift

Der Bildungskongress „Netzwerke für globales Lernen“ wurde von 23 verschiedenen Organisationen aus dem Bereich schulischer und außerschulischer Bildung, Nichtregierungsorganisationen, Ministerien, Gewerkschaften, Jugendarbeit, Kirchen, etc. getragen.

Das Ziel der Tagung war es, die Zusammenarbeit von Schulen, außerschulischen Bildungswerken und Nicht-Regierungsorganisationen im Bereich des Globalen Lernens und der Bildung für Nachhaltige Entwicklung zu stärken.
Während des Kongresses  haben über 120 Teilnehmende aus Bremen und Niedersachsen und aus Ländern des Südens über die Verbesserung der Rahmen-bedingungen für Globales Lernen in Bremen und Niedersachsen gesprochen. In die Tagung integriert wurden die Ergebnisse eines internationalen Team-Visits, dessen Teilnehmer im Vorfeld Projekte und Einrichtungen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung in Niedersachsen und Bremen besucht haben. Die Mitglieder des Teamvisits haben während der Tagung in die verschiedenen Diskussionsebenen und Arbeitsgruppen die Sichtweisen, Erwartungen und Erfahrungen der Länder und Menschen aus dem Süden der Erde (den sogenannten Entwicklungsländern) artikuliert.
Ergebnisse, Erwartungen und Anforderungen des Trägerkreises können wie folgt zusammengefasst werden:

Bildung und Globalisierung
Unter dem Motto „Globalisierung gerechter gestalten“ kann die Bildungsarbeit in und außerhalb der Schule einen Beitrag dazu leisten, sich mit der Globalisierung zu befassen. Es muss hinterfragt werden, ob Globalisierung im Interesse der Menschen in Süd und Nord stattfindet. Negative Folgen müssen analysiert und aufgezeigt werden. Positive Alternativen sollen diskutiert werden. Solidarität und Transparenz sind dabei Möglichkeiten, um sich den negativen Auswirkungen zu widersetzen.

Globales Lernen für eine nachhaltige Entwicklung muss vor allem folgenden Prinzipien gerecht werden. Weltgesellschaftliche Strukturen und Entwicklungsprozesse sind zu vermitteln – nicht die Probleme einer vermeintlich fernen „Dritten Welt“.

Nachhaltige Entwicklung ist ohne die Gleichberechtigung der Geschlechter nicht zu erreichen. Grundlage des Lernens muss die Einsicht in die kulturelle Gebundenheit der eigenen Weltsicht sein. Dies bestärkt die Bereitschaft, anderen Anschauungsweisen mit Achtung und Neugier zu begegnen. Die behandelten Themen sollten aus der Sicht verschiedener Interessenlagen beleuchtet und multiperspektivisch erschlossen werden.

Globales Lernen hat die besondere Aufgabe, den Stimmen der Leidtragenden der Globalisierung Gehör zu verschaffen. Keine Bildungsmaßnahme darf auf die Erläuterung der Entwicklungszusammenarbeit verkürzt werden. Es geht um eine Abkehr von paternalistischen Hilfe-Denkmustern sowie eurozentristischen Sichtweisen. Dagegen sollte die Vielfalt der Beiträge der Partner für den Entwicklungsprozess in den Staaten Afrikas, Asiens, Zentral- und Südamerikas aufgezeigt werden.

Der Begriff „Entwicklungshilfe“ soll vermieden werden. Länder, die ausschließlich oder primär unter dem Blickwinkel der Hilfe betrachtet werden, können in den Augen der Öffentlichkeit keine Partner darstellen, die für uns politisch, wirtschaftlich, ökologisch oder kulturell interessant sind. Zudem suggeriert der Begriff „Entwicklungshilfe“, dass Entwicklung nur im Süden notwendig sei.

Der Entwicklungsweg der Industrieländer kann jedoch nicht als Modell dienen, weil er nicht zukunftsfähig ist. Lösungsstrategien müssen von den Industrie- und Entwicklungsländern gemeinsam gesucht und erarbeitet werden. Globales Lernen für nachhaltige Entwicklung muss die Verflechtung von Globalen und lokalen Entwicklungsfragen deutlich machen und mit anderen pädagogischen Arbeitsfeldern wie der Friedens- und Menschenrechtserziehung, der Umweltbildung, dem interkulturellen Lernen etc. in der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung zusammengeführt werden.

In diesem Sinne hat der Trägerkreis des Bildungskongresses verschiedene Erwartungen auf verschiedenen Ebenen formuliert, die in der Abschlusserklärung des Trägerkreises des Kongresses veröffentlicht sind.

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